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4. Dezember 2010 bis 20. Februar 2011
 
 
Thomas Moecker - Revue
     
 

Thomas Moecker vereint in seiner Revue verschiedene Elemente zu einem bühnenartigen Ensemble unter Einbeziehung von Komponenten aus Architektur und Interieur. Dabei vermischen sich die Vorstellungen von Casino, Wandertheater, Jahrmarkt, Schaubude oder Varieté. Gewissermaßen lässt der Künstler auch „Revue passieren“: Zurückliegendes wird noch einmal durchdacht und rekonstruiert. Das "Kriegstheater" ist einerseits Ausgangspunkt für die formale Beschäftigung mit dem Element der Bühne. Andererseits transportiert die Darstellung kriegerischer Konflikte eine auch für Moeckers künstlerische Arbeit grundlegende Einsicht: Nicht so sehr die konfliktbeladenen Handlungen selbst sind das Thema, sondern vielmehr die Wahrheiten, die hierdurch ans Licht gefördert werden.

Und so zeigt Moecker keine Feierlichkeit im Kleinen, sondern vielmehr die Ausdrucksformen des Kleinen. Alles funkelt, aber was wir sehen ist lediglich der Widerschein. Ohne die Hinwendung zu konkreten Assoziationsketten entsteht jenseits hegemonialer kultureller Ausformungen ein lockerer Repräsentationsrahmen für allumfassende Empfindungen für Konflikte, ein eindrucksvolles Substrat an Stimmungsbildern.
   

Zentrales Element der Rauminstallation Revue ist eine aus Bohlen zusammengefügte Bühne, deren Rückwand einen schematischen, stark auf die Grundformen abstrahierten Teddybären darstellt. Als stilisierte Figur der Unschuld und des Schutzes wird der niedliche Bär seiner Funktion sicherlich gerecht. Doch im überbordenden absurden Spaß kippen die funktionsgebundenen Stilisierungen. Trauer und Melancholie stellen sich ein, Sehnsüchte werden nicht mehr befriedigt. Es treten Abgründiges und Ruinöses zu Tage.

Standarten, Trophäen, Hoheitszeichen oder Siegesdenkmäler sind funktionale Repräsentationsformen, um die Vormachtstellung und die Vorgabe kultureller Leistungen und Errungenschaften innerhalb von Scheingesellschaften zu zementieren. Diese und weitere Repräsentationsformen wandelt Moecker ab und überführt sie zitathaft in abstraktere Formen, entlarvt sie als überkommene Wahrzeichen, als Instrument, um Ideologien hochzuhalten. In Thomas Moeckers Stimmungsraum aus Bühne, Teppichen, Vorhängen, Oberlichtern, Skulpturen und Grafiken endet die Mystifizierung und Legendenbildung: Epochale Ornamente werden zu nunmehr simplen Dekoren rückgeformt, klassische Formenwelten in fantastischen Erscheinungsformen neu beleuchtet und kommentiert, Maßstäblichkeiten und Verhältnismäßigkeiten in Frage gestellt.

Emmanuel Post

 

 

 

 

 

       
       
       
       
       
       
       
   
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